BÜHNEN-CHARTS Die meistgespielten Theaterstücke

Nicht so populär wie die Pop-Charts, nicht so bekannt wie die SPIEGEL-Bestsellerliste, aber mindestens genauso spannend: In der jährlich erscheinenden Werkstatistik des Deutschen Bühnenvereins findet sich die TOP TEN der meistinszenierten Stücke (hier: Spielzeit 2013/14). Obwohl die Klassiker dominieren sind mit Lutz Hübner und Wolfgang Herrndorf auch deutschsprachige Gegenwartsautoren vertreten. Alle Werke sind nicht nur als Buch, sondern auch als Kinoadaption erschienen und mittlerweile als DVD erhältlich.


 

10. WILLIAM SHAKESPEARE Hamlet

„Nur“ auf Platz 10 mit insgesamt 17 Inszenierungen. Offenbar ist der Klassiker nach wie vor ein Publikumsmagnet, denn mit ca. 113000 Zuschauern belegt Hamlet sogar Platz 6 der Werke mit den höchsten Besucherzahlen des Jahres. Wer noch keine der zahlreichen Verfilmungen* gesehen hat, dem sei die Branagh-Adaption von 1996 (mit Kate Winslet als Ophelia, Julie Christie als Gertrude und Robin Williams als Osric) ans Herz gelegt.

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9. WILLIAM SHAKESPEARE Ein Sommernachtstraum

Drei Tage und drei Nächte im antiken Athen und dem angrenzenden Zauberwald. Besonders im englischsprachigen Raum der Klassiker schlechthin für Schul- und Laientheaterinszenierungen, hierzulande mit 19 Inszenierungen ebenfalls gerne gesehen. Die opulente Verfilmung der Komödie (mit Michelle Pfeiffer als Titania und Kevin Kline als Nick) geriet erwartungsgemäß etwas kitschig, ist aber dennoch sehenswert.

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8. LUTZ HÜBNER Frau Müller muss weg

Auf Platz 8 mit ebenfalls 19 Inszenierungen folgt mit Lutz Hübner der erste deutschsprachige Gegenwartsdramatiker in den TOP TEN. Im gewissen Sinne ist die Geschichte um den Elternabend eine Klassenkampfkomödie: „…weil an Elternabenden nicht nur Eltern um ihre Kinder kämpfen, sondern auch immer die Eltern für sich selbst, ist man sich im Vorfeld des Treffens einig geworden: Es geht darum, die blöden Bälger irgendwie durchzukriegen! Frau Müller muss weg!“ (Lutz Hübner) 2015 von Sönke Wortmann fürs Kino verfilmt.

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7. WILLIAM SHAKESPEARE Was ihr wollt

Wenn „Shakespeare“ groß auf dem Plakat steht und etwas kleiner “Komödie” darunter kommen immer Zuschauer, spekulieren die Theater, und so wurde „Twelth Night“ in 20 Theatern innerhalb eines Jahres gezeigt. Dass zu Shakespeare´s Zeiten alle Frauenrollen von Männern gespielt wurden, die sich innerhalb ihrer Frauenrollen in diesem Stück wiederum als Männer verkleideten, machte wohl einst den Reiz dieser Verkleidungsverwechslungskomödie aus.

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6. DELAPORTE/PATELLIERE Der Vorname

Die Konversationskomödie kreist um die Frage ob man sein Kind Adolphe nennen dürfe. Wenn man derzeit zufällig sechs Schauspieler aus sechs unterschiedlichen Städten auswählt ist die Wahrscheinlichkeit recht hoch, dass sie spontan gemeinsam „Der Vorname“ aufführen könnten: Derart viele Theater haben es jedes Jahr auf dem Spielplan. Zur Bekanntheit hat wie so oft in dieser Liste die Kinoadaption der französischen Theatervorlage „Le Prénom“ beigetragen. Dagegen ist auch nichts einzuwenden. Interessant aber die Erkenntnis: Hitlerwitze laufen offenbar noch besser als Shakespearekomödien. 

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5. GEORG BÜCHNER Dantons Tod

Nach der französischen Revolution ist vor dem großen Gemetzel. Die rivalisierenden Gruppen, im Stück personifiziert durch Danton und Robespiere, liefern sich - zunächst - vor allem Wortgefechte. Büchner bedient sich des berühmten Zitats von Vergniaud, unmittelbar vor dessen Hinrichtung auf dem Schafott ausgesprochen,  und legt es Danton in den Mund: "...die Revolution ist wie Saturn, sie frisst ihre eigenen Kinder". Ob das Werk des mit blutjungen 23 Jahren verstorbenen Büchner auch ein Publikumsmagnet wäre, wenn es nicht zur Schullektüre erkoren worden wäre? Wie dem auch sei,  77.000 Zuschauer sahen das Stück in 21 Theatern.

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4. FRIEDRICH SCHILLER Kabale und Liebe

Niederträchtige Intrigen (Kabalen) zerstören die leidenschaftliche Liebe zwischen der Musikertochter Luise und dem Adligen Ferdinand. Das klassische Sturm-und-Drang-Stück wurde in einer Spielzeit in 22 Theatern gezeigt. Im Schillerjahr 2005 verfilmte Leander Haussmann den Stoff, nicht ganz texttreu, aber hochkarätig besetzt (mit August Diehl als Ferdinand und Paula Kahlenberg als Luise, sowie Götz George, Katharina Thalbach und Detlev Buck in weiteren Rollen).

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3. GOETHE Die Leiden des jungen Werthers

Nochmal Sturm und Drang, diesmal Goethe. In der ursprünglichen Fassung von 1774 noch mit Genitiv-s im Titel wurde Werthers fieberhafter Ego-Trip ein europäischer Bestseller. Und im Theater kann es auf Platz 3 der meistgespielten Stücke immer noch als solcher gelten. Die texttreuen Verfilmungen* sind nicht zu empfehlen, aber im - nicht für Germanisten gedrehten - Film „Goethe!“ wird die unglückliche Liebe des jungen Dichters zu Lotte und die darauf folgende Veröffentlichung des Briefromans sehenswert erzählt.

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2. GOETHE Faust

Das meistzitierte Werk der deutschen Literatur bringt es auf Inszenierungen in 37 Städten innerhalb einer Spielzeit. Der Literaturkritiker Hellmuth Karasek hat die Geschichte des gealterten Gelehrten, der sich mit dem Teufel einlässt um eine junge Mieze klarzumachen, zu Recht als „Viagra-Geschichte“ bezeichnet. Obwohl vielfach verfilmt haben sich die meisten vermutlich nur durch die schwarzweiße Gründgens-Inszenierung* gequält. Eine demgegenüber farbenfrohere und faszinierendere Adaption ist „Faust – Vom Himmel durch die Welt zur Hölle“ von Dieter Dorn.

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1. WOLFGANG HERRNDORF Tschick

Als Wolfgang Herrndorf Jugendbücher wie Huckleberry Finn* wiederlas wollte er ebenfalls „eine große Reise über großes Wasser“ schreiben, allerdings: „Mit dem Floß die Elbe runter schien mir lächerlich... Nur mit dem Auto fiel mir was ein. Zwei Jungs klauen ein Auto. Da fehlte zwar das Wasser, aber den Plot hatte ich in wenigen Minuten im Kopf zusammen.“ Die Bühnenfassung wurde 2011 am Staatsschauspiel Dresden uraufgeführt und ist dort bis heute im Repertoire. Gemessen an den Besucherzahlen lässt es Goethe und Shakespeare weit hinter sich, insgesamt sahen 150.000 Zuschauer in 45 Theatern das Stück. Das Drehbuch zum Film hatte Herrndorf selbst in Auftrag gegeben, aufgrund eines bösartigen Hirntumors tötete er sich aber 2013 selbst. 2016 kam Fatih Akins Film in die Kinos.

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Thomas Löding, culturmagazin.de vom 17.04.2017 


 

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